Autobiographie
 
MEMOIREN (Auszüge)
Brünn – erster Kapellmeister
Estland – Reval (heute Tallin)
Leipzig – Staegemann
Drei Saisons am Rhein
Hannover – Hamburg
 
GALERIE
Tonaufnahme, Fotografien

 

  Karel Burian
12. 1. 1870 in Rousínov bei Rakovník - 25. 9. 1924 in Senomaty in der Heimatgemeinde
In der Welt bekannt als Carl (Karl) Burrianceskyenglish
 
cara
 
Brief an A. Rektorys, den Redakteur der Zeitschrift "Smetana", aus dem Jahre 1909, verfaßt auf dessen Gesuch um die biographischen Daten des Meisters.
 
Sehr geehrter Herr Redakteur,
 
Ich möchte mich Ihnen als ein mehr berüchtigter denn berühmter Sohn des tschechischen Volkes vorstellen: Karel Burian, geboren am 12. Januar 1870 in Rousínov bei Rakovník, dessen Besitzer ich heute bin und das ich meinem Großvater, einem 92jährigen Greise, bis zu seinem Tode überlassen habe. Wenn ich mir nicht doch eines Tages selbst eine Tafel an meinem Geburtshause widme, dann sollen Sie wissen, daß ich eigentlich meine ganze Karriere hindurch nichts von Reklame verstanden habe... Zur Schule bin ich in Rakovník gegangen. Einer meiner Lehrer dort war Karel Hùlka, Schulleiter in Knìževes, ein Musiker im wahrsten Wortsinne und Ihr ehemaliger Mitarbeiter, außerdem Z. Winter und Dom. Èipera.
 
Ich besuchte das Akademische Gymnasium in Prag, wo ich vom Anfang bis zum Ende Primus war und das ich 1889 abgeschlossen habe. Dann begann ich das Studium der Rechtswissenschaft; mein Herz traf jedoch eine andere Wahl, und ich armer Student gehorchte ihm. Die Brüder von Køižovník und Strahov warben um mich, einerseits, weil ich ein hervorragender Student war, andererseits um meiner musikalischen und gesanglichen Begabung willen. Das ist doch schließlich auch etwas wert, wenn der Herr Pater schön das Oremus singen kann und dabei nicht krächzt wie eine Elster.
 
Dank der Initiative von Herrn Zdenìk Babor, Mitglied des Orchesters des Nationaltheaters, geriet ich an meinen Lehrer Wallerstein, der damals in Prag anfing und mich alsbald als Solisten in die Maisel–Synagoge aufnahm. Von dem in der Synagoge verdienten Geld bezahlte ich die Stunden, die mir mein alter Meister gab, dieser reinherzige und selbstlose Mensch. Der arme Kerl ist heute tot. Ehre seinem Gedächtnis! Stets hat er es so eingerichtet, daß ich in der Synagoge etwas mehr verdiente, als mich seine Stunden kosteten.
 
Kein tschechischer Lehrer nahm sich meiner an: Nach Geld fragten sie!... Ich machte Fortschritte und trat 1891 im Brünner Theater als Jeník auf, am 28. und 29. September dann als Dalibor. Das Brünner Theater machte Bankrott und mir blieb nur mehr das Ausland.
 
Reval, Aachen, Köln am Rhein, Hannover, die Hofoper Hamburg, Prag, Budapest, Dresden folgten. Eine stattliche Reihe – doch nur eine natürliche Entwicklung! Das Geheimnis meiner Erfolge! In Dresden öffnete sich mir das Tor zur Welt. Alle großen Häuser rissen sich um meine Gastspiele und ich weiß wirklich nicht, ob es ein größeres Theater gibt, in dem ich nicht gesungen habe. Schon bald kam das entferntere Ausland: Paris, Brüssel, London und – Amerika, wo ich heute drei Monate im Jahr singe. Ich kreierte eine Menge Parts, von denen die wichtigsten wohl die Premiere des "Tristan" in Budapest und der Herodes in der "Salome" in Dresden, New York und Paris waren.
 
Für meine Leistungen wurde ich zum französischen Offizier ernannt. Louis Schneider schrieb im "Gil Blas": Burians Herodes ist ein Gemälde von Goya!
 
In Bayreuth sang ich den Parsifal, in München (Prinzregententheater) alle großen Wagnerrollen. Tristan, Tannhäuser, Siegfried sind die Eckpfeiler meines Repertoires und meiner Karriere, doch auch reine Lyrik und die leichte französische Oper zähle ich zu meinen Paraderollen: Fra Diavolo!
 
Ich habe acht Orden und bin dreifacher Kammersänger. In Wien sang ich vorletztes Jahr (1908) fünfzehn Mal als Gast, als Tristan und Othello geradezu sensationell. In Budapest singe ich jedes Jahr; seit unserer "Versöhnung" auch jährlich einmal in Prag. Von der Destinnová unterscheide ich mich dadurch, daß ich kein "ordentliches", also kein Ehrenmitglied des Nationaltheaters bin - doch "ich grolle nicht"...!
 
Mein Repertoire, soweit ich denken kann...
 
1. Tschechische Oper:
Bedøich Smetana: Dalibor, Lukáš (Der Kuss), Jeník (Die verkaufte Braut). Zdenìk Fibich: Ctirad (Šárka), Jaromìø (Pád Arkuna). Antonín Dvoøák: princ (Rusalka). Kovaøovic: Kozina (Psohlavci). Karel Bendl: Vojtìch (Starý ženich). Vilém Blodek: Vojtìch (V studni)
 
2. Russische Oper:
Život za cara (Glinka), Lenski (Evgenij Onegin).
 
3. Deutsche Oper:
Lohengrin, Tannhäuser, Erik (Der Fliegende Holländer), Loge (Das Rheingold), Siegmund, Siegfried, alter Siegfried (Götterdämmerung), Tristian, Stolzing (Die Meistersinger von Nürnberg), Parsifal, Walter v. d. Vogelweide (Tanhäuser), Pylades (Iphigénie en Tauride), Belmonte (Die Entführung aus dem Serail), Tamino (Die Zauberflöte), Ottavio (Don Giovanni), Florestan (Fldelio), Abu Hassan (Weber), Max (Der Freischütz), Adolar (Euryanthe), Jessonda (Spohr), Ivanhoe (Der Templer und die Jüdin), Konrad (Hans Heiling), Gomez (Das Nachtlager in Granada), Stradella (Flotow), Mavoglio (Stradella), Lyonel (Marta), Fenton (Die lustigen Weiber von Winsdor), Assad (Die Königin von Saba), Eduard Plummeer (Das Heimchen am Herd), Folkunger (Kreutschmer), Barfüssele (Heuberger), Matthias Freudhofer (Evangelimann), Kienzl, Herodes (Salome).
 
4. Italienische Oper:
Radames (Aida), Otello (Verdi), Cassio (Otello), Alfred (La Traviata), der Herzog (Rigoletto), Richard (Un Ballo in Maschera), Manrico (Troubadour), Fenton (Falstaff); Arnold (Guillaume Tell), Almaviva (Il barbiere di Siviglia), Canio (Der Bajazzo), Turiddu (Cavalleria rusticana), des Grieux (Pucinni, Manon), Rodolfo (Bohema), Mario (Tosca), Ipanov (Fedora).
 
5. Französische Oper:
Robert le ïiable, Raul (Les Hugenots), Le prophéte, Vasco de Gama (L), José (Carmen), Vilhelm Meister (Mignon), Faust, Romeo (Gounod), Hoffmann (Les contes...), Fra Diavolo (Auber), Masaniello (La Muette de Portici) Le Domino noir (Auber), George Brown (La dame blanche), La damnation de Faust (Belioz), Eleazar (La Juive), Werther (Massenet), des Grieux (Manon Massenet).
 
Wenn Sie außerdem bedenken, daß ich etliche Rollen in zwei, drei Sprachen einstudiert und mich bei der großen Fülle des Materials sicher an die eine oder andere nicht erinnert habe, muß also mein Repertoire die 100 weit überschreiten!
Sind Sie zufrieden? Was lange währt wird gut.
 
Es grüßt herzlichst Ihr Karel Burian
cara
 
Literatur: Burian K.: Pamìti (Smetana, Praha, roèníky 1911 - 1912); Hradèanský J. V.: Komorní pìvec Karel Burian ve svých veršovaných dopisech (Graf. ústav L. Beneše, Èeský Brod, 193?); Hradèanský J. V.: Komorní pìvec Karel Burian ve svých veršovaných dopisech (Fr. A. Urbánek a synové, Praha, 1933); Burian E. F.: Karel Burian (Praha 1948); Novotný A.: Pìvecký portrét (Supraphon, Praha 1974); Wenig J.: Ema Destinová - Karel Burian (Supraphon, Praha, 1960); Nejedlý Z.: Dìjiny opery Národního divadla I.-II. (Praha, 1949); Rektorys A.: Naši operní pìvci, (Praha 1958); Èerný J.: Osmý den (Reflex, Praha, 6. 3. 2003)

Realisation: Boris Klepal, Übersetzung: Iris Kneissel
Danksagung: Miloš Klepal and Alena Švecová.
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