Autobiographie
 
MEMOIREN (Auszüge)
Brünn – erster Kapellmeister
Estland – Reval (heute Tallin)
Leipzig – Staegemann
Drei Saisons am Rhein
Hannover – Hamburg
 
GALERIE
Tonaufnahme, Fotografien

 

  Karel Burian
12. 1. 1870 in Rousínov bei Rakovník - 25. 9. 1924 in Senomaty in der Heimatgemeinde
In der Welt bekannt als Carl (Karl) Burrianceskyenglish
 
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Karel Burian war einer der größten Sänger seiner Zeit, ein hochherziger Held auf der Bühne wie im Leben. Er sang in der Hofoper in Dresden, in der Großen Oper in Paris, im Covent Garden und in der Metropolitan Opera und gewann überall die Anerkennung und Bewunderung des Publikums, der Komponisten und der Dirigenten. Er war der erste Herodes in Richard Strauss` "Salome", er war Parsifal in Bayreuth; es suchten ihn Ernest von Schuch, Hans Richter, Gustav Mahler sowie Arturo Toscanini auf, der ihn als rhythmischsten Sänger der Welt bezeichnete. In Frankreich wurde er zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen; er war königlicher Kammersänger in Sachsen, Württemberg und Bayern; im großen Sängerwettstreit von Paris wurde er zum „Sängerkönig“ ernannt.
 
Karel Burian sang mit vollendeter Technik und seelenvollem Ausdruck, mitreißend und ohne jene Überspanntheit, die typisch für italienische Sänger ist; seine deutsche und tschechische Aussprache war musterhaft (er sang jedoch genauso gut französisch, italienisch und ungarisch). Zu einem Handicap wurde ihm paradoxerweise sein ungewöhnlich schwieriges Repertoire. Als dessen Eckpfeiler betrachtete er selbst Siegfried, Tristan und Tannhäuser, also "weniger effektvolle" Wagnerrollen, für deren Akzeptanz zu seiner Zeit noch immer Pionierarbeit geleistet werden mußte. Dennoch gelang es ihm, allen diesen mythischen Gestalten mit der ihm eigenen Heißblütigkeit soviel Glut und Leben einzuhauchen, wie es auch heute noch nur selten zu sehen und zu hören ist. In seiner Zeit jedoch war er mit seiner Art der Auffassung allein; er war der Erste, ein echter Vorreiter. Auch Smetana sang er grandios; wir können uns nur seinen Zeitgenossen anschließen im Bedauern darüber, daß Burian auf der Bühne des Prager Nationaltheaters (im Gegensatz zu Berlin und Paris) nicht ein einziges Mal zusammen mit Ema Destinnová auftrat.
 
pametni deska KBIn die tschechische Musiktradition ging er vor allem mit seinen Liederabenden ein. Das Nationaltheater lehnte ihn zu Beginn seiner Karriere ab und aus einigen späteren kurzen Engagements und Gastspielen wurde er regelrecht hinausgeekelt; auch ein Großteil der tschechischen Kritiker war gegen ihn eingenommen, und all das unter anderem deswegen, weil er „für die Deutschen“ sang. Vor allem aber sprach er seine Meinung über die tschechischen „Patrioten“ offen aus und gab der künstlerischen Freiheit den Vorzug vor einem guten Namen im kleinkarierten und von Intrigen bestimmten tschechischen öffentlichen Leben. Man darf allerdings nicht übersehen, daß auch seine anmaßend wirkende Gewohnheit, Auftritte in letzter Minute abzusagen, ihm in professioneller Hinsicht schadete.
 
Es scheint wie ein Wunder, daß bei uns gleich zwei Persönlichkeiten vom Format Destinnovás und Burians gleichzeitig auftauchten. Beide haben trotz ihres Weltbürgertums nie vergessen, daß sie aus Tschechien stammen, und dorthin sind sie auch beide zurückgekehrt – nur um zu erfahren, daß ihnen nicht einmal am Konservatorium zu lehren erlaubt wurde.
 
Burianove pomnik Als Karel Burian starb, ließ die Leitung des Nationaltheaters es nicht zu, daß sein Sarg ausgestellt würde; es wurde lediglich am hinteren Trakt eine zerlumpte schwarze Fahne gehißt. Die tschechische Philharmonie spielte die Trauermusik aus der Götterdämmerung – der erste tschechische Heldentenor war gestorben.
 
"Karel Burian gastierte im neuen Deutschen Theater in Prag. Einige Tage darauf war ich bei Dr. Franz Wien-Claudi in seinem Palais in der Jindøišská. Dr. Wien schwärmte von Burians Auftritt. Ich fragte ihn, wie er Caruso im Vergleich mit Karel Burian beurteilen würde. Er antwortete: "Wo bleibt der Caruso!"
Karel Weiss, Komponist
 
Mit Burian betritt in der Rolle des jungen Siegfried ein wackerer Held von überschäumender Stimmgewalt die Bühne. Vom ersten bis zum letzten Ton hat der Klang seines Organs soviel markige Fülle, ausladende Gewalt und strahlenden Glanz, daß wir etwas zu hören vermeinen, das nicht mehr menschlich ist. Und wie bedacht und tiefempfunden ist seine Kunst. Welch ein Schöpfen der Töne. Kein einziger ist darunter, der nicht von echter Farbe wäre, wir hören kein Forte, das nicht aufs feinste ausgefeilt wäre...
Gustav Mahler
 
Foto: Gedenktafel am Geburtshaus K. Burians (links), Denkmal der Brüder Karl und Emil Burian auf dem Friedhof von Rakovník
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Literatur: Burian K.: Pamìti (Smetana, Praha, roèníky 1911 - 1912); Hradèanský J. V.: Komorní pìvec Karel Burian ve svých veršovaných dopisech (Graf. ústav L. Beneše, Èeský Brod, 193?); Hradèanský J. V.: Komorní pìvec Karel Burian ve svých veršovaných dopisech (Fr. A. Urbánek a synové, Praha, 1933); Burian E. F.: Karel Burian (Praha 1948); Novotný A.: Pìvecký portrét (Supraphon, Praha 1974); Wenig J.: Ema Destinová - Karel Burian (Supraphon, Praha, 1960); Nejedlý Z.: Dìjiny opery Národního divadla I.-II. (Praha, 1949); Rektorys A.: Naši operní pìvci, (Praha 1958); Èerný J.: Osmý den (Reflex, Praha, 6. 3. 2003)

Realisation: Boris Klepal, Übersetzung: Iris Kneissel
Danksagung: Miloš Klepal and Alena Švecová.
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